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Welt-AIDS-Tag 2015

Was macht ihr, wenn euer Stürmer HIV hat? Hoffentlich viele Tore!
Mit Slogans wie diesem thematisiert die aktuelle, bundesweite Kampagne Ängste vor einer HIV-Übertragung im Alltag – und unterstützt mit Informationen dabei, diese Ängste hinter sich zu lassen und respektvoll mit Betroffenen umzugehen.
Der Abbau von Diskriminierung soll nicht zuletzt dazu beitragen, die Angst vor einem HIV-Test zu reduzieren.

Dank moderner Medikamente haben HIV-positive Menschen bei uns inzwischen eine nahezu „normale“ Lebenserwartung und Lebensqualität. HIV-positive Menschen können in jedem Beruf arbeiten, ihre Freizeit gestalten, wie sie mögen, Partnerschaft und Sexualität erleben und Kinder bekommen, die nicht mit HIV infiziert sind. HIV-positive Menschen sind, wenn sie wirksam medikamentös behandelt werden, nicht ansteckend.
Und dennoch: Die Betroffenen erleben immer noch und immer wieder massive Ausgrenzung und Ablehnung – ob am Arbeitsplatz, im Freundes- und Familienkreis oder im Gesundheitswesen.

Dass die gesellschaftliche Normalisierung mit der medizinischen nicht Schritt gehalten hat, zeigt aktuell der mediale Umgang mit dem US-Schauspieler Charlie Sheen: Mit Schlagzeilen wie "Schock-Beichte" betiteln Zeitungen sein "Geständnis", schon seit vielen Jahren HIV-positiv zu sein.

Festzuhalten bleibt auf der anderen Seite, dass sich die jährlichen Neuinfektionen seit 2006 auf etwa dem gleichen Niveau halten (für 2014 schätzt das Robert Koch-Institut [RKI] rund 3.200 Neuinfektionen). Damit zählt Deutschland weltweit zu den Staaten mit den geringsten Neuinfektionsraten, was die Wirksamkeit der v. a. zielgruppenspezifischen Präventionsarbeit belegt.

Aber: Die Neuinfektionsraten liegen damit auch immer noch um rund 1/3 über denen der 1990er Jahre – Grund genug, in den Präventionsanstrengungen nicht nachzulassen.

Schon jetzt konstatiert das RKI darüber hinaus, dass die "Auslandsinfektionen" in den letzten Jahren zugenommen haben. Das sei wahrscheinlich in erster Linie eine Konsequenz verstärkter Migration nach Deutschland: Auch dies eine Entwicklung, die uns künftig sicherlich noch intensiver beschäftigen wird.

Weitere Fakten: In Deutschland leben rund 83.000 Menschen mit HIV, in Dortmund ca. 700.
Die Haupt-Betroffenengruppe sind nach wie vor „Männer, die Sex mit Männern haben“. In 2014 war der Sex zwischen Männern bei gut 70% der Neuinfektionen der Übertragungsweg.
Für Dortmund weist das RKI für 2014 30 Neudiagnosen nach, für 2015 nach aktuellem Stand bereits 36.

Eine der größten Herausforderungen besteht dabei in der wachsenden Zahl HIV-Positiver, die von ihrer Infektion überhaupt nichts wissen. Auf über 13.000 Menschen schätzt das RKI die Zahl der allein im Jahr 2014 nicht diagnostizierten HIV-Infizierten. Das bedeutet, dass sich in Deutschland weiterhin mehr Menschen neu mit HIV infizieren, als neu mit einer Therapie beginnen.
Das Robert Koch-Institut fordert, in den Bevölkerungsgruppen mit erhöhtem Infektionsrisiko (also v. a. bei Männern, die Sex mit Männern haben) den Anteil der Getesteten und die Frequenz der Testung deutlich zu steigern. Dazu müssten niedrigschwellige Testangebote aus- und Hemmschwellen abgebaut werden.

In Dortmund existiert ein solches Angebot im von der Aidshilfe und dem KCR getragenen „schwulen Gesundheitsladen pudelwohl“.
Die beiden Träger veranstalten anlässlich des WAT und der beschriebenen Problematik am 7. Dezember eine Fachveranstaltung, um die künftigen Herausforderungen für Dortmund zu erörtern.

Nach einem Impulsreferat durch Dr. Dirk Sander (Deutsche AIDS-Hilfe) soll in einer Podiumsdiskussion der Frage „Sind die Schwulen unbelehrbar? Perspektiven einer einer zukunftsfähigen HIV-Präventionsarbeit in Dortmund“ nachgegangen werden.
Auf dem Podium werden neben Dr. Dirk Sander u. a. der bei "pudelwohl" ehrenamtlich engagierte Uli Keller und Patrick Maas (Geschäftsführer Aidshilfe NRW) diskutieren.
Die Veranstaltung findet ab 19 Uhr im caféplus (Gnadenort 3-5) statt, Interessierte sind herzlich zum Mit-Diskutieren eingeladen! Wir freuen uns auf Sie!

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