Aidshilfe NRW: Pressemitteilung International Overdose Awareness Day

Am 31. August ist International Overdose Awareness Day

Köln, 29. August 2025 - Nordrhein-Westfalen verzeichnet nach wie vor eine besorgniserregend hohe Zahl an Drogentodesfällen. Im Jahr 2024 starben in NRW über 769 Menschen an den Folgen ihres   Drogenkonsums. Das sind 769 Menschen zu viel, so die Aidshilfe NRW anlässlich des Internationalen Overdose Awareness Day. Diese Zahl sei Ausdruck einer verfehlten Drogenpolitik, die auf Strafverfolgung statt auf Fürsorge und Prävention setzt.

Vor diesem Hintergrund fordert die Aidshilfe NRW zum Overdose Awareness Day 2025:

• kostenfreien, flächendeckenden und niedrigschwelligen Zugang zu dem lebensrettenden Opioid-Antagonisten Naloxon für Konsumierende und deren Umfeld ohne bürokratische Hürden statt weiter bestehender Barrieren wie Verschreibungspflicht oder Zugangshürden,

• Ausbau und bessere Ausstattung von Drogenkonsumräumen: Sie sind zentral für Überlebenshilfe, Infektionsschutz, Notfallprävention und die Vermittlung in weiterführende Hilfen.

• Einbindung von Drug-Checking zur Vermeidung tödlicher Mischungen, insbesondere mit synthetischen Opioiden wie Fentanyl

• Entkriminalisierung von Konsument:innen und staatlich kontrollierte Abgabe als langfristige, vielversprechende Strategie zur Stärkung gesundheitspolitischer Ansätze zur Schadensminimierung.

Pünktlich zum Overdose Awareness Day startet die Aidshilfe NRW das Projekt „NaloxNRW”. Ziel ist es, mit verschiedenen Schulungsformaten gezielt Multiplikator*innen, Konsumierende, Angehörige sowie Mitarbeitende aus Suchthilfe, Aidshilfe, Justiz und Ordnungsämtern fortzubilden. Dabei werden Kenntnisse zur Ersten Hilfe, dem sicheren Einsatz von Naloxon-Nasenspray und zum Umgang mit aktuellen synthetischen Opioiden nachhaltig vermittelt – sowohl in Präsenz als auch online.

„NaloxoNRW“ knüpft an bewährte Ansätze wie das Bundesmodellprojekt „NALtrain“ an, geht jedoch einen Schritt weiter:  Das Projekt zielt darauf ab, eklatante Versorgungslücken zu schließen und Naloxon in Drogenhilfeeinrichtungen und darüber hinaus zur Regelversorgung zu machen. Warum all das so dringend ist:

• Synthetische Opioide wie Fentanyl erhöhen das Risiko einer Überdosis erheblich.

• Naloxon ist ein nachweislich wirksames Rettungsmittel – es muss nun eine politisch und strukturell verankerte, niedrigschwellige Verteilung etabliert werden.

Die Aidshilfe NRW fordert die Kommunen dazu auf, sich an „NaloxoNRW“ zu beteiligen und damit ein Modell für eine lebensrettende Harm-Reduction-Strategie in NRW zu etablieren. Sie ruft alle Verantwortlichen in Politik, Verwaltung und Gesellschaft dazu auf, den Overdose Awareness Day als Wendepunkt zu begreifen. Nur durch mutige Reformen, konsequente Prävention und eine menschenfreundliche Drogenpolitik können weitere Todesfälle verhindert werden. Das Sterben ist vermeidbar – handeln wir jetzt!

Die Aidshilfe NRW engagiert sich seit Jahrzehnten in der Gesundheits- und Drogenpolitik mit einer klaren Haltung für Menschenrechte, evidenzbasierte Prävention, niedrigschwellige Versorgung und eine solidarische, fortschrittliche Schadensminderung.

Weitere Informationen zum Projekt „NaloxoNRW“ und zu Naloxon-Schulungen erhalten Sie bei der Aidshilfe NRW.