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Statement unseres Vorstandmitglieds Pater Modenbach zur "Ehe für alle"

Als Mitglied des Vorstands in der aidshilfe dortmund e.v. ist es mir ein Anliegen, zum Thema "Ehe für alle" an dieser Stelle deutlich meine Meinung zu sagen, auch wenn sie vielleicht für mich als Priester und Ordensmann innerhalb der katholischen Kirche etwas aus dem "Rahmen" fällt ... Aber das ist ja nicht nur bei diesem Thema so.

 

Vorab: Es ist in diesen Zeiten sicher wesentlich wichtiger, sich Gedanken zur Förderung von Familien mit Kindern zu machen als über die Ehe für alle, zumal Familien mit Kindern sich heute vielfältigen Schwierigkeiten und Problemstellungen ausgesetzt sehen.
Aber warum wird zur Ablehnung einer „Ehe für alle“ immer wieder die traditionelle Familie – also Mann, Frau und Kinder – angeführt? Warum soll eine Ehe exklusiv die Verbindung von Mann und Frau sein mit dem Ziel, die Zeugung von Kindern erreichen zu können? 
Es ist vollkommen klar, dass die Ehe ein guter Ort ist, um Kinder zu bekommen und diese groß zu ziehen. Aber der gesellschaftliche Wert der Ehe erschöpft sich darin doch sicher nicht. Das Problem an dieser Argumentation ist, dass sie zwar auf gleichgeschlechtliche Paare abzielt, aber bei genauerer Betrachtung wird dadurch die Ehe selbst als werteorientierte Institution, in der Subsidiarität und Verantwortung gelebt wird, beschädigt. Deshalb sollte die „Ehe für alle“ gerade für konservative Menschen (und Politiker) doch ein erstrebenswertes Ziel und hohes Gut sein.

Was soll ich denn Ehepaaren erzählen, die 40 Jahre, 45 Jahre, 50 Jahre und noch länger verheiratet sind und deren Kinder schon lange ihr eigenes Leben führen? Soll ich ihnen sagen, dass die letzten Ehejahre, in denen die Kinder aus dem Haus waren, keinen „Wert“ hatten? 
Dass sie sich ab dem Moment, wo sie nicht mehr miteinander das Ziel verfolgten, Kinder zu zeugen, genauso gut hätten scheiden lassen können? 
Was erzähle ich den Ehepaaren, die biologisch gar nicht in der Lage sind Kinder zu bekommen? Dass sie das mit "in guten und in bösen Tagen" nicht so ernst nehmen sollen und dass sie einen Haken hinter die Geschichte machen können? 
Denken wir doch mal darüber nach! Für mich ist der Ansatz bei diesem Thema klar: Es geht darum, die Ehe als werteorientierte Institution zu stärken, indem wir allen, die das für sich wünschen, es ermöglichen, sich zu den damit verbundenen Werten zu bekennen. Denn das macht den eigentlichen Wert der Ehe aus: sie ist der stabilisierende Kern gesellschaftlichen Lebens, in dem Verantwortung und Subsidiarität gelebt wird. Sie ist der Kern und das verknüpfende Element von Familien, zu denen eben nicht nur das Ehepaar und eventuelle Kinder gehören, sondern auch Eltern und Schwiegereltern, Geschwister und die restliche Verwandtschaft. Deswegen stehen Ehe und Familie unter dem besonderen Schutz der staatlichen Ordnung - und das vollkommen zu Recht! Aber eben Ehe UND Familie und nicht nur die Familie im klassischen Sinn ...

Wenn in diesem Sinne ein homosexuelles Paar in Deutschland vor dem Staat und dem Gesetz eine Ehe miteinander eingehen will, dann kann ich das nur begrüßen. Und wenn das dann noch zwei Menschen sind, die anschließend zu mir kommen und für sich und ihre standesamtliche Ehe um den Segen Gottes bitten, weil sie Christen sind und weil ihnen das wichtig ist, wer bin ich, dass ich ihnen diesen Segen verweigere?

Ich möchte allerdings klarstellen, dass ich hier nicht von einer „Ehe im kirchenrechtlichen Sinn“ spreche, sondern von einer bürgerrechtlichen Ehe mit allen Rechten und Pflichten. Es spricht aber auch nichts dagegen, dass sich eventuell eine kirchliche Segensfeier anschießt. 
Ich stelle ausdrücklich nicht in Frage, dass nach Glaube und Lehre der katholischen Kirche die Ehe, die beide Partner miteinander eingehen, wesentlich in der ausschließlichen und unauflöslichen Lebensgemeinschaft eines Mannes und einer Frau bis zum Tod besteht (Wobei wir in der katholischen Kirche auch noch einmal darüber diskutieren müssten, was mit „Tod“ denn gemeint ist. Um was für einen Tod geht es hier? Was ist, wenn die Liebe gestorben und "tot" ist, die Treue nicht mehr gelebt wird?). 
Eine Ehe im kirchenrechtlichen Sinn ist ihrer Natur nach auf das gegenseitige Wohl sowie auf die Zeugung und Erziehung von Kindern hingeordnet. Die Ehe von Getauften ist ein Sakrament. Alle Partner, die eine vor der Kirche gültige Ehe schließen möchten, müssen durch ihr Jawort erklären, dass sie keinen Kernbereich der Ehe ausschließen, weder die eheliche Treue, noch die Unauflöslichkeit, noch die Hinordnung auf das beiderseitige Wohl und auf Nachkommenschaft.

ABER – und jetzt kommt noch einmal das große Aber: Jede homosexuelle Verbindung, Frau und Frau, Mann und Mann, die sich gefunden haben, die schon längst Verantwortung füreinander übernommen haben oder in Zukunft übernehmen wollen und die sich – außerdem – auch noch lieben, warum sollte ich solch einem Paar den Segen Gottes verweigern? Das erschließt sich mir nicht …

 

P. Siegfried Modenbach SAC

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